Diskussionsarena

Wachstum, nein danke?!

Wachstum für Wohlstand oder Wohlstand ohne Wachstum?

Wirtschaftswachstum und Wohlstandserhalt sind vorrangige Ziele unserer Gesellschaft. Doch immer deutlicher zeigt sich, dass die Konzepte von Gestern nicht für Morgen taugen. Dem wachstumsbedingten höheren Lebensstandard vieler Menschen steht ein exzessiver Ressourcenverbrauch entgegen. In einer Welt mit begrenzten Rohstoffen scheint  unbegrenztes Wachstum nicht möglich, oder?

Wie so oft, wenn die Dinge ernst sind, gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen über den besten Lösungswegraus aus dem Dilemma. Einige Experten meinen, dass erst Wachstum die Chancen für die Lösung der globalen Probleme eröffnet. Nachhaltiges Wachstum, versteht sich. Der Idee des „grünen Wachstums“, also die Vorstellung der Vereinbarkeit von stetigem Wirtschaftwachstum mit Umwelt- und Ressourcenschutz, liegt die Annahme zu Grunde, dass sich ökonomische Aktivität mittelfristig vom Ressourcenverbrauch entkoppeln lässt.


Dieser Meinung ist auch Prof. Dr. Claudia Kemfert. Sie argumentiert in ihrem Beitrag „Warum wir Wachstum für Wohlstand brauchen“, dass nicht das Wachstum an sich problematisch ist, sondern die Frage, was wächst. Wirtschaftswachstum bietet die notwendigen Voraussetzungen für den Umbau unsere Wirtschaft hin zu Energieeffizienz, nachhaltiger Wasserwirtschaft und klimaschonenden Energietechniken. Es bedarf nur einer klugen Politik, die das erkennt, und einer ebenso konsequenten Regulierung.



Dagegen ist Dr. Niko Paech davon überzeugt, dass wir kein grün angepinseltes Weiter-so und das Auswechseln von Konsumlösungen brauchen. Er plädiert für eine radikalere Veränderung unserer Verhaltenskultur – und die Entrümpelung unseres Lebens. In seinem Artikel „Wohlstand ohne Wachstum“ plädiert Paech für die Entkoppelung von wirtschaftlichem, in Geld und Ressourcenverbrauch gemessenem Wachstum, und spricht sich für eine Rückbesinnung auf unsere Kompetenzen zur Selbstversorgung, damit wir wachstumsunabhängiger werden.


Kommentare

Max Muster, 05.04.2011 22:16:

Ansätze und weitere Überlegungen gibt es auch unter

www.postwachstum.net

Christian Klippert, 09.01.2011 15:41:

Was die Unvereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Wachstum angeht, so stimme ich Herrn Dr. Paech in allen Punkten zu. Das Begriffspaar "nachhaltiges Wachstum" ist in meinen Augen ein gutes Beispiel für ein Oxymoron, denn hier treffen zwei Gegensätze aufeinander. Es kann kein nachhaltiges Wachstum geben. Entweder wir zielen weiter auf Wachstum ab oder wir schlagen den nachhaltigen Weg ein, der allerdings nicht nur mit dem Halten des jetzigen Niveaus, sondern mit einem Schrumpfen verbunden ist. Bereits heute verbrauchen/nutzen wir so viele Ressourcen als hätten wir vier Planeten. Auch ein einfrieren auf heutigem Niveau würde demnach in naher Zukunft zu einem Überschreiten kritischer Grenzen führen, was nicht vorhersehbare Folgen haben würde. Hinzu kommt, dass die Schwellenländer der BrIC-Staaten u.a. weiter wachsen werden und sich in ihrer Entwicklung an der westlichen Welt orientieren, was ihnen gestattet sein muss. Aus diesem Grunde muss die westliche bzw. industrialisierte Welt einen Weg des "negativen" Wachstums einschlagen, um den nötigen Spielraum für die Entwicklungen der anderen Länder und Generationen zu schaffen. Das ist sicherlich mit großen Opfern und Einschnitten in das persönliche Leben verbunden, aber wenn die Menschheit als Gattung überleben will, gibt es meiner Ansicht keine andere Möglichkeit, dieses Überleben zumindest wahrscheinlicher zu machen.
Ich stimme daher Herrn Paech zu, dass das Suffizienzprinzip den anderen Prinzipien, wie Effizienz und Konsistenz, vorzuziehen ist. Allerdings sind die Handlungsempfehlungen durchaus sehr theoretisch und wahrscheinlich nicht umsetzbar. Und wenn, dann nur innerhalb kleiner Gruppen oder Gesellschaften (z. B. transition towns; www.transitiontowns.org), aber nicht global. Dazu ist der Mensch zu gewinnorientiert und der Wachstumsgedanke zu tief in dem Denken verankert. Allerdings sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sich dafür einsetzen, diesen Wandel in Gang zu bringen. Am besten ist es, zunächst bei sich selbst anzufangen und sein Leben vor dem Hintergrund dieses notwendigen Paradigmenwechsels umzugestalten.

severin kaufhold, 04.01.2011 15:36:

Dr. Paech's Artikel ist völlig logisch und stellt die Sachlage auch richtig dar. Ein super Artikel in dem die wichtigsten Probleme in kürze vorgestellt werden. Er beschreibt eine Sichtweise die notwendig ist um unsere Gesellschaft wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Allerdings stellt sich für mich aus pragmatischer Sicht nun die Frage wie kann man Anfangen unsere Gesellschaft im großen Stil hin zu einer Gesellschaft ohne Wachstum entwickeln. Die genannten Modelle von Dr. Paech sind ja ganz nett, aber für eine Welt die sich in zunehmender Globalisierung befindet und zudem von einer mächtigen Wirtschaftssichtweise beherrscht wird die unsere Gesellschaft extrem stark kontrolliert bzw. vereinnahmt, ist mir das nicht ausreichend. Oder besser formuliert nicht realistisch genug, denn wie auch bekannt ist, ist aktuell keine Akzeptanz für Suffizient in der Gesellschaft spürbar.

Menschen sind so sehr mit dem jetzigen System verblendet und träge ihre Gewohnheiten zu verändern. Zudem ist eine Müdigkeit feststellbar wenn es um Themen wie diese geht. Es benötigt also, um den demokratischen Rückhalt zu erlangen, erstmal eine Bildungsinitative (die es ja nun wie hier zu sehen gibt).

Leider fehlt mir auch die Vorstellungskraft wie wir es schaffen können kurzfristig (es wurden 10 bis 20 Jahre genannt) das Weltwirtschaftssystem mit all seinen zahlreichen Akteuren und Machtstrukturen derart in seinem Paradigma zu ändern, dass wir in die richtige Richtung steuern.

Gilt es also als nächsten Schritt Modelle zu entwickeln die die Strukturen des aktuellen System in die gewünschte Richtung ändern und zugleich verträglich mit der aktuellen Sichtweise sind (siehe Grünes Wachstum) oder sollte ein extremer Denkenswandel von heute auf morgen stattfinden in dem wir in einem Zug unsere ganze Welt umstrukturieren (für mich unrealistisch)? Letzteres erscheint mir nur machbar wenn die Notwendigkeit der Situation ausreichend groß ist (sprich es zu spät ist wie z.B. in Krisenzeiten).

Interessanter Artikel den ich weiter empfehlen kann, aber nun gilt es die Erkenntnisse auch praktisch umzusetzen und dabei weitreichende Wirkungen zu erzielen, denn wir befinden uns in einer globalisierten Welt und nicht nur auf der Regionalebene.

MFG Sev.

Kommentar hinzufügen

  1. * Pflichtangaben