Stadt ist Mensch

Schon jetzt wohnt über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Prognose steigend. In Deutschland sind es 74 Prozent der Bevölkerung, die in Städten zu Hause sind. Stadt zieht einfach an. Städte werden auch immer größer: Es gibt mehr als 20 MegaStädte mit jeweils über zehn Millionen Einwohnern auf der Welt. Einerseits. Andererseits verlässt der StadtMensch immer häufiger die Innenstadt und zieht an den Stadtrand – entweder sich den Traum vom Einfamilienhaus mit Garten erfüllend oder weil er einfach an den Speckgürtel vertrieben wurde. Die Stadt ist ein einziges Kontrastprogramm: Prosperierende stehen schrumpfenden Städten und Regionen gegenüber. Und selbst innerhalb der Städte liegen Zonen des Aufschwungs und des Niedergangs oft dicht nebeneinander. Wie soll man Städte da verstehen, bauen oder gar zukunftsfähig gestalten? 

Klar ist, dass die „Stadt von morgen“ vor immensen ökologischen, wirtschaftlichen, vor allem aber großen sozialen Herausforderungen steht. Nirgendwo anders zeigen sich Probleme und Herausforderungen deutlicher als in den Städten. Auf relativ engem Raum werden hier alle gesellschaftlichen Konflikte ausgetragen. Und die Liste der Spannungsfelder ist lang: demographischer Wandel, Arbeitslosigkeit, Vereinsamung, gesellschaftliche Desintegration und Segregation der Wohnbevölkerung nach Herkunftsland und Brieftasche, knapper Wohnraum, aber auch das Steigen des Flächenverbrauchs im Umland der Städte, zunehmender Verkehr und wachsende Umweltbelastungen. Das alles ist StadtRealität. 

Aber gerade auch in Städten gibt es einen großen Handlungsspielraum, wenn es um eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen, Flächen-Recycling oder auch sozial-integrative Projektarbeit geht. 

Denn intakte Städte sind oft genug Vormacher bei zukunftsfähigen Lebensstilen. Denn Stadt ist vielfältig, der StadtMensch kreativ und die nachhaltige Stadt partizipativ. Der Mensch kann an der Stadt teilhaben, sie gestalten, auf sie Einfluss nehmen. Der alte Perikles sagte einmal: „Die Menschen, nicht die Häuser machen die Stadt“.

Und deshalb sagen wir: Der urbane Raum wird immer werden und niemals für immer sein.

Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ legt den Schwerpunkt in diesem Jahr auf das Thema „Stadt“ um aufzuzeigen, wie eine menschliche und nachhaltige Stadt der Zukunft aussehen könnte und welchen Beitrag jeder Einzelne daran hat.


Archiv /

Schwerpunktthema 2010: Geld