Nachhaltigkeit in der Praxis

Warum wir auch in Zukunft nicht auf die Pommesbudeverzichten müssen

Essen brauchen wir zum Leben. Kochen allerdings nicht. Dönerbude, Fertigpizza und unzählige Restaurant sorgen schon dafür, dass wir satt werden, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Sarah Wiener erklärt im Interview, warum Kochen trotzdem Spaß macht, weshalb unser Geschmack manipulierbar ist, welches Gericht unsere Welt ein Stückchen besser machen könnte und warum wir zukünftig nicht auf die Pommesbude verzichten müssen, wenn wir uns nachhaltig ernähren wollen. 

Redaktion: Was macht am Kochen eigentlich Spaß?

Sarah Wiener: Was macht am Kochen keinen Spaß? Außer dem Aufräumen hinterher...  

Redaktion: Warum macht vielen Menschen „anderen beim Kochen zuschauen“ offensichtlich mehr Spaß als selber kochen?

Sarah Wiener: Zuschauen macht im Grunde gar keinen Spaß. Man konsumiert, ist träge und delegiert mental an andere. Das ist bequem. Aber richtig zufrieden macht nur selber Kochen. Selbst aktiv zu werden, etwas zu gestalten gibt einem mehr und dauerhaftere Befriedigung als passive Berieselung.

Redaktion: Kann man den Spaß am Kochen lernen? Wie geht das?

Sarah Wiener: Es ist wie mit allen anderen Dingen: Man muss es einfach machen. Beim Kochen ist es besonders leicht, denn wir müssen ja essen. Nur bekommt man nirgends selbst so unmittelbar Lob und Liebe wie für ein selbstgekochtes Mahl. Als Anfänger kocht man am besten mit jemandem zusammen, der es gut kann und selbst Freude daran hat.

Redaktion: Aus den USA schwappt die Welle der „Foodies“ zu uns rüber. Eine Art Selbsthilfegruppe in Sachen Kochen & Essen. Sollte man sich dieser Bewegung anschließen?

Sarah Wiener: Ich habe davon noch nichts gehört. Wenn man sich gern Gruppen anschließt - warum nicht?

Redaktion: Was spricht eigentlich gegen eine leckere Portion Pommes mit Mayo?

Sarah Wiener: Gar nichts. Wenn man sich nicht ausschließlich davon ernährt. Pommes sind einfach selbst zu machen und Mayo auch. Das ist kein großer Aufwand. Hat natürlich auch selbstgemacht viel Fett und viele Kohlehydrate...

Redaktion: Isst Sarah Wiener Fleisch?

Sarah Wiener: Ja. Allerdings nicht sehr viel. Dafür mit Achtsamkeit und Genuss. Und den habe ich nur, wenn ich weiß, dieses Tier hatte ein gutes Leben. Hat den Wind gespürt, in die Sonne geblinzelt und hat das gegessen, was es artgemäß essen würde. Und ist nicht als Industrieprodukt gestorben sondern als Mitgeschöpf. Fleisch sollte etwas Besonderes sein - nicht "unser täglich Brot", sondern eher das gelegentliche Stück Torte.

Redaktion: Viele denken, gesundes Essen ist ein teures Vergnügen. Stimmt das?

Sarah Wiener: Kurz und knapp: Nein. Das einzige was es mehr kostet, ist vielleicht etwas Mühe, um herauszufinden, welche Produkte gerade Saison haben und deshalb besonders preisgünstig sind. Rechnen Sie mal aus, wie viel Pizza Sie für den Preis einer Fertig-Tiefkühlpizza selbst backen können…

Redaktion: Warum schmeckt einem „Bio“ selten besser als „Nicht-Bio“?

Sarah Wiener: Auch bei "Bio" gibt es ja große Unterschiede. Ich habe in Blindtests vor der Kamera schon öfter richtig gelegen. Nur: Geschmack ist erziehbar, manipulierbar und auch Erfahrung. Mittlerweile ziehen Kinder so gut wie immer den künstlichen Erbeerjoghurt dem selbsgemachten mit frischen Erdbeeren vor. Ist der künstliche deswegen mit seiner starken Süße und dem künstlichen Aroma besser?

Redaktion: Warum geben Sie an Schulen Kochkurse?

Sarah Wiener: Ich möchte gern, dass Kinder die Kontrolle über ihren eigenen Körper zurückerhalten und dass alle Kinder mit den gleichen Chancen ins Leben starten. Das fängt natürlich bei gesunder Ernährung und Geschmack an.

Redaktion: Was bleibt bei den SchülerInnen hängen?

Sarah Wiener: Hoffentlich: Wow! So einfach und schmackhaft ist das also!

Redaktion: Angenommen, alle ernähren sich gesund und bewusst. Was soll dann aus den ganzen Currywurst- und Döner-Buden werden?

Sarah Wiener: Die wird‘s dann auch noch geben... Weniger Buden mit besseren Produkten: Pommes selbstgeschält aus regionalen Kartoffelsorten, Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren. Allerdings gibt's die Wurst dann wahrscheinlich nicht mehr für zwei Euro. Gute Qualität kriegt man – gerade bei Tierprodukten – nicht zum Schleuderpreis... Sollte man auch nicht bekommen! Das ist eine Frage der Achtsamkeit und des Respekts.

Redaktion: Kann man mit Kochen die Welt verändern?

Sarah Wiener: Jedes wunderbare vegetarische Mahl, das mit Genuss selbstgekocht und gegessen wird, schont unser Klima und ist ein Statement gegen Massentierhaltung sowie die stark verarbeitende Nahrungsindustrie. Wer selbst kocht leistet einen aktiven Beitrag für eine lebenswerte Zukunft.